Im beeindruckenden Ambiente des neu gestalteten Exerzitienhauses Himmelspforten der Diözese Würzburg präsentierte Thomas Häußner als Leiter des Echter-Verlags, sowie Prof. Dr. Erich Garhammer als Schriftleiter am 15. Dezember 2005 die gerade erschienene Ausgabe 6/2005 der Lebendigen Seelsorge. „Theologie auf dem Prüfstand“ – so das Thema des aktuellen Heftes, bei dem neben verschiedenen Projekten und Praxisberichten, dem Interview zu „guter Theologie“ mit dem Salzburger Theologen Klemens Sedmak vor allem die Theologie von Joseph Cardinal Ratzinger / Benedikt XVI. und die Karl Rahners in den Blick kommen. Für diesen Vergleich in der Lebendigen Seelsorge standen zwei Experten zur Verfügung: Ratzinger Siegfried Wiedenhofer, ein Schüler von Joseph Ratzinger, der heute Professor für Systematische Theologie in Frankfurt ist und für Rahner der Essener Lehrstuhlinhaber für Systematische Theologie Ralf Miggelbrink, der über Rahner promoviert hat. Die Darstellung der beiden Theologien bleibt beim Vergleich allerdings nicht stehen: Beide Autoren gehen auf die Position des anderen ein und erschließen so das Heftthema auf erfrischend-kontroverse Weise. Dass Rahner in seinem Alter immer kirchenkritischer und Ratzinger immer reformkritischer wurde, hat natürlich nicht nur biographische Zusammenhänge, sondern liegt für Wiedenhofer auch in der jeweiligen Theologie und Spiritualität begründet. Man kann bei Rahner von einer mystischen Spiritualität sprechen, bei Ratzinger von einer sakramental kirchlichen. Es handelt sich freilich hier nicht um eine klare Alternative, die eine Verständigung zwischen den beiden Theologien unmöglich machte als vielmehr um einen starken Akzentunterschied, der im Sinne einer wechselseitigen Auslegung und Korrektur fruchtbar gemacht werden kann. Ähnlich argumentiert Miggelbrink: Rahners Theologie fordert starke theologische Subjekte, die sich den Glauben aneignen können. Ratzinger befürchtete dagegen in einer solchen Popularisierung des Glaubens eine Bedrohung der Identität von Kirche. Der Diffusion der Kirche in Unkenntlichkeit wollte er mit Profilbildung entgegentreten. So könnte man beide Ekklesiologien folgendermaßen zusammenfassen: eine Kirche, die nicht dient, ist keine Kirche (Rahner). Nur eine Kirche, die noch Kirche ist, kann als Kirche dienen (Ratzinger). Chancen und HerausforderungenNicht zuletzt durch den regen Austausch persönlicher Erfahrungen sowie die Einschätzung biographischer Momente der beiden Theologen bot die Veranstaltung ein bereicherndes Forum für die Diskussion momentaner Herausforderungen für und in der Kirche. Auch wenn mit Joseph Kardinal Ratzinger ein großer Denker und Theologe Papst wurde, so darf damit die Bestellung des theologischen Bodens innerhalb der Kirche nicht auf Monokultur umgestellt werden. Einheit und Vielheit waren und sind die Chance für die Theologie. Schließlich kann man nicht mehr hinter die bereits bestehende Pluralität in der Kirche wie auch innerhalb der Theologie zurücktreten. Fast programmatisch spiegelte sich dieser inhaltliche Bogen am Exerzitienhaus Himmelspforten als gewählten Veranstaltungsort wider: Stuck und Deckengemälde stehen im Dialog mit Thomas Langes großem Werk an der Wand. Künstlerisch wird so noch einmal formuliert, was auch für die Theologie herausgestellt wurde: Einheit in der Vielheit – oder besser: Einheit und Vielheit zugleich. |